Liebe Gemeindeglieder und Freunde,

mit großer Betroffenheit nehmen wir diese sich weiter zuspitzende Krise in unserem persönlichen Umfeld, unserem Land und unserer Welt wahr. Unsere Gebete sind bei allen von Corona infizierten Menschen. Wir bitten unseren gnädigen Gott um Begleitung aller direkt und im Umfeld Betroffenen und um Weisheit im Umgang mit der Krise. Nachfolgend die aktuelle Einschätzung von uns als Gemeindeleitung zur Lage:

Persönlich: Der Kirchenvorstand ist gerade in diesen stürmischen Zeiten mehr denn je bemüht, für unsere Gemeinde weise Entscheidungen zu treffen. Weder wollen wir in Hysterie verfallen noch leichtsinnige Verharmlosung unterstützen. Daher: Wir alle wissen noch nicht viel über dieses Virus, auch ändern sich Einschätzungen der Behörden gerade sehr schnell. Was wir alle als Christen im Gehorsam gegenüber den uns von Gott gegebenen Leitern tun können, ist, uns an die von Regierung und Behörden empfohlenen Maßnahmen zu halten und deren fachlichen Einschätzungen zu vertrauen. Das Corona-Virus wird zwar für die meisten als akuter Virusinfekt mit guten Heilungsprognosen eingestuft, dennoch tragen wir alle Verantwortung unseren Mitmenschen gegenüber, v.a. risiko-eingestuften (z.B. Senioren, Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Kindern). Wir möchten aktiv mithelfen und unseren Beitrag leisten, dass die Ausbreitung des Virus möglichst kontrolliert und so langsam wie irgend möglich von statten geht. Bitte machen Sie von den elektronischen Angeboten unserer Gemeinde sowie von den Medien anderer christlichen Kirchen und Organisationen reichlich Gebrauch. Wir setzen die aktuellen Empfehlungen und Maßnahmen der Behörden bis auf Weiteres wie folgt um:

  • Schon am 12. März haben wir alle Kinder- und Jugendgruppen abgesagt. Dies betrifft natürlich auch den Kindergottesdienst.
  • Zeitgleich wurden auch sämtliche Gottesdienste in den Seniorenheimen (Bürgerstift und AWO-Heim) abgesagt.
  • Mit den Entwicklungen nach dem Wahlwochenende sind auch die Gottesdienste in der Frauenkirche und der Kreuzkirche bis auf Weiteres eingestellt. 
  • Vom letzten Gottesdienst in der Frauenkirche am 15. März liegt in unserem neuen Website-Bereich @Home eine Video-Aufzeichnung – für alle Menschen, die diesem Gottesdienst aus persönlichen Gründen nicht beiwohnen konnten oder wollten  bzw. diesen noch einmal erleben wollen.
  • Wir wollen auch auf anderen Wegen Kontakt halten und hilfreiche Impulse anbieten. Dazu bitte die Startseite unserer Homepage sowie den neuen Website-Bereich @Home im Blick behalten! 
  • Für den Passionsweg sahen wir anfangs keine besonderen Gefahren – wir wollten diesen weiter anbieten. Wenngleich ohnehin beim Besuch schon vereinzelt, bitten wir Gottesdienstbesucher, auf körperliche Berührungen zu verzichten und den Platz in der großen Kirche zu nutzen, sich also ausreichend weit voneinander entfernt aufzuhalten. Nach Rücksprache mit der Polizei haben wir die Kirche und den Passionsweg zum 21. März mit Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkung aber auch erst einmal geschlossen.
  • Alle weiteren Veranstaltungen (Treffpunkt Gemeinde, Treffen der Hauskreisleiter, Gemeindeversammlung) sind seit 12. März jetzt erst einmal in der Warteschleife. Grundsätzlich wollen wir uns auch gegenseitig herausfordern, kreative Wege zu finden, geistlich miteinander in Gemeinschaft zu sein; miteinander in der Bibel zu lesen um Gottes Stimme zu hören, mit IHM im Gespräch zu bleiben - sei es als private Hauskreise, mit Freunden oder als Familien. Unsere Seekers nutzen dazu Discord, andere greifen auf WhatsApp, Skype oder Zoom zurück.
  • Als zentrales und einfach zu erreichendes Informationsmedium sehen wir unsere Homepage. Wir bitten, diese wie oben schon erwähnt, im Auge zu behalten.

Zuletzt noch ein paar Gedanken unseres Landesbischofs, Dr. Heinrich Bedford-Strohm: 

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit” (2.Timotheus 1,7). Liebe und Besonnenheit – was heißt das für unser Handeln gegen die Ausbreitung des Corona-Virus?

Viele von uns müssen gegenwärtig schwierige und teilweise schmerzliche Entscheidungen treffen. Welche Veranstaltungen können stattfinden? Welche müssen wir absagen? Wieviel Vorsicht ist in unseren persönlichen Beziehungen im Umgang mit andren Menschen geboten? Können wir überhaupt noch jemanden körperlich berühren? Und gerade wenn es auch um andere Menschen geht: Wie können wir das richtige Maß zwischen zuversichtlicher Gelassenheit und Leichtsinn finden? [...]

Auch in unserem persönlichen Verhalten brauchen wir die Kraft, Liebe und Besonnenheit, von der Paulus spricht. Die Liebe drängt nach der Umarmung oder zumindest dem Handschlag. Die Besonnenheit lässt uns das freundliche Zunicken vorziehen – oder auch den Stups mit dem Ellenbogen als neue Form der Begrüßung.

Die Liebe zeigt uns aber ganz bestimmt den richtigen Weg. Die Liebe sagt: Rücksicht auf andere ist wichtiger als die eigene Gelassenheit.

Wenn wir jetzt unerwartet mehr Zeit haben durch abgesagte Veranstaltungen oder weil wir zuhause bleiben müssen, dann können wir sie nutzen für Besinnung, Gebet, Psalmenmeditation, Auftanken und Gemeinschaft mit lieben Menschen.

Wir denken an die Menschen, die gesundheitlich mit den Folgen des Virus kämpfen. Wir denken auch an die Menschen, die spürbar unter den wirtschaftlichen Konsequenzen des Virus zu leiden haben. Menschen haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Geschäftsleute bangen um das wirtschaftliche Überleben.

Für sie alle und für uns selbst wollen wir beten: Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Als Christen leben wir nicht aus der Angst, sondern aus dem Vertrauen. Bei allem was jetzt an Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen ist, wissen wir: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.” Das ist die beste Voraussetzung, jetzt das Richtige zu tun, um Gefahren für die Zukunft zu vermeiden und gleichzeitig tief in der Seele zu spüren: Gott ist bei uns jeden Tag. Auf ihn vertrauen wir, egal, was kommt.

In Jesus verbunden grüßen herzlich

Die Kirchenvorsteher der Kirchengemeinde

Memmingen, den 21. März 2020