31 Dann nahm er (also Jesus) die Zwölf beiseite und sagte: "Passt auf, wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf. Dort wird sich alles erfüllen, was die Propheten über den Menschensohn geschrieben haben. 32 Er wird den Fremden übergeben, die Gott nicht kennen. Er wird verspottet, gedemütigt und angespuckt werden. 33 Und wenn sie ihn ausgepeitscht haben, werden sie ihn töten. Doch am dritten Tag wird er wieder auferstehen." 34 Die Jünger verstanden kein Wort. Der Sinn des Gesagten blieb ihnen verborgen; sie verstanden einfach nicht, was damit gemeint war. 35 Als Jesus in die Nähe von Jericho kam, saß ein Blinder an der Straße und bettelte. 36 Er hörte eine große Menschenmenge vorbeiziehen und erkundigte sich, was das zu bedeuten habe. 37 "Jesus von Nazaret kommt vorbei", erklärte man ihm. 38 Da fing er an zu rufen: "Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!" 39 Die Vorübergehenden fuhren ihn an, still zu sein. Doch er schrie nur umso lauter: "Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!" 40 Jesus blieb stehen und befahl, den Mann zu ihm zu bringen. Als er herangekommen war, fragte Jesus: 41 "Was möchtest du von mir?" – "Herr, dass ich sehen kann!", erwiderte der Blinde. 42 "Du sollst sehen können", sagte Jesus, "dein Glaube hat dich geheilt!" 43 Im gleichen Augenblick konnte der Mann sehen. Er folgte Jesus und pries Gott. Und auch die ganze Menge, die dabei war, pries Gott.

Lukas 18,31-43

Wie gut ist Euer Sehvermögen? Ihr sitzt beim Augenarzt. Und der legt dieses Bild auf mit vier großen Buchstaben drauf. "Lesen Sie von links nach rechts." Am Anfang ist es wirklich einfach. Die Buchstaben sind ja riesig. Je weiter es geht, desto schwieriger wird es. Bis wir sicher sind, dass am Schluss nur noch ein Punkt ist. Kein Buchstabe mehr. Wegen meiner Sehschwäche mache ich das seit meinem fünften Lebensjahr. Erst neulich zum 44mal. Am Schluss hat mir der Augenarzt diesmal eine Augen-OP empfohlen – und zu der habe ich gemischte Gefühle.

Auch im Lukasevangelium gibt es so eine Art wiederkehrender Augentest. In Kapitel 17,21 fragt z.B. jemand Jesus, wann das Reich Gottes kommt. Und er antwortet folgendermaßen: "Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Dingen erkennen kann. Man wird auch nicht sagen können: ‘Seht, hier ist es!‘ oder: ‘Seht einmal dort!‘ Nein, das Reich Gottes ist schon jetzt mitten unter euch.“ Aber irgendwie haben selbst seine engsten Freunde das noch nicht so ganz mitgekriegt. Das Reich Gottes – die Herrschaft Gottes, in der Person des Menschensohns– ist schon in ihrer Mitte – und sie können es nicht sehen. Sie können IHN nicht wirklich sehen. Sie sehen ihn zwar körperlich. Aber sie können nicht sehen, wer er ist oder warum er gekommen ist. Wie beim Augenarzt, wenn wir am Ende der Reihe nur noch einen Punkt sehen, keinen Buchstaben.
Kennen wir das nicht auch? Sprechen wir z.B. mit einem Kollegen oder einer Freundin, dann gibt es ganz viel, was sie völlig klar sehen. Einige sind wahrscheinlich schlauer als wir. Wenn wir aber über Jesus sprechen – v.a. warum er gekommen ist und warum er am Kreuz sterben musste – dann ist es, als ob sie überhaupt nichts sehen können. Es ist, als wären sie blind. Das wäre kein Problem – wenn es nicht das eigentlich Wichtigste im Leben eines Menschen wäre, Jesus und das Kreuz zu verstehen.

Kommen wir zu unserem Predigttext, der uns vorher schon vorgelesen wurde. Schlagt gerne nochmal auf Lukas 18, die Verse 31 bis 43 auf der Seite 143 im hinteren Teil der Bibeln am Platz.

1. also, Das Kreuz ist absolut zentral (31-33). In v31 spricht Jesus mit den zwölf Jüngern. Sie sind sein innerer Kreis. Und er weiht sie ein in das, was als nächstes kommt. v31: "Passt auf, wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf. Dort wird sich alles erfüllen, was die Propheten über den Menschensohn geschrieben haben."
Was ist Deine größte Leistung? Das ist eine dieser Fragen bei Bewerbungsgesprächen. Meine größte Leistung? Was sagst Du? Ein bestimmter Schulabschluss? Oder endlich einen Kredit abbezahlt? Oder irgendwann mal einen Halbmarathon gelaufen? Hier ist die große Errungenschaft Jesu, die schon Tausende von Jahren vor seiner Geburt angekündigt worden ist: v32: An Ungläubige übergeben. Verspottet. Gedemütigt. Angespuckt. Ausgepeitscht. Getötet. Dann auferstanden. Das ist die große Leistung von Jesus. Deshalb ist er gekommen. Klingt das seltsam für uns? Weshalb ist der Passionsweg eine Errungenschaft?
Die Tunwörter in v32-33 sind fast alle passiv, also so dass es Jesus widerfahren ist: Übergeben... Verspottet... Gedemütigt... Angespuckt… Ausgepeitscht… Getötet... Es sieht also aus, als würde Jesus das angetan. Aber schauen wir genauer hin: Wer hat wirklich die Kontrolle? Tatsächlich liefert uns das wie Jesus sich selbst beschreibt den entscheidenden Hinweis: 'Menschensohn'. Was bedeutet dieser Titel? Menschensohn ist im Alten Testament ein Mensch, der in Gottes Auftrag Herrschaft ausübt. Gottes Stellvertreter. Kein römischer Soldat hätte den Menschensohn also ohne dessen Erlaubnis an ein Kreuz nageln können. Das Kreuz war Jesu ganz eigene Entscheidung, seine bewusste Mission, sein glorreicher Triumph. Er hat das Kreuz gewählt, um den Zorn zu tragen, den wir verdienen.
Zorn, weil wir unser Ding ohne unseren Schöpfer durchziehen wollen. Jesus ist gestorben, um uns Vergebung für unser Rebellieren gegen Gott zu schaffen. Er ist zum Blitzableiter geworden, der Gottes gerechte Strafe von uns wegleitet, ja auf sich zieht.
Das Kreuz ist also kein Fehler. Es ist der Schlüssel. Es ist absolut zentral für Gottes Rettungsmission. Das mussten die Jünger wissen. Und das müssen auch wir heute wissen. Es hätte viele Dinge gegeben, die die Jünger hätten sagen können, die schmackhafter – "zeitgenössischer" waren – die ihren Zuhörern ein besseres Gefühl hätte geben können. Aber nur eine Nachricht hatte die Macht zu retten. Und das war die Botschaft Christi: Gekreuzigt für Sünder, und auferstanden. Also ist es unsere Botschaft heute? Wenn wir morgens zur Arbeit gehen, wenn wir mit einem Freund einen Kaffee oder ein Bier trinken - was müssen sie wissen? Klar können wir mit ihnen darüber sprechen, dass Jesus auch heute noch Wunder wirken und Menschen heilen kann; dass er Ängste nehmen kann. Wie seine moralische Lehre die Gesellschaft verändern will. Und was für ein großes Vorbild er doch für unsere Kinder ist. Das alles kann unseren Mitmenschen ja auch wirklich gut tun! Aber es wird sie nicht retten. Gottes rettende Botschaft ist, dass Jesus für Sünder gekreuzigt worden und auferstanden ist. Also für Dich und mich! Jeder von uns braucht das! Gottes rettende Botschaft ist, dass Jesus für die Sünder gekreuzigt worden und auferstanden ist. Es ist das, was die Jünger die ganze Apostelgeschichte hindurch gepredigt haben. Das ist es, was wir auch heute noch predigen. Jesus spricht immer wieder darüber – die Botschaft vom Kreuz ist der Grund, warum Jesus gekommen ist – und Er wird die Narben dieser Botschaft für immer tragen! Das Kreuz ist absolut zentral.
Und jetzt spulen wir vor auf Montag früh. Du hast die Sache mit dem Kreuz verstanden, vielleicht bist sogar begeistert darüber! Es ist Gottes Macht zur Rettung! Ja, ich will das Menschen um mich her erzählen! So beten wir für eine Chance – und es fällt Dir tatsächlich eine in den Schoß: Nach der Arbeit sprichst Du mit einem Kollegen oder Schulfreund. Du kannst das Kreuz erklären. Es ist keine perfekte Erklärung – aber sie ist ok! Du nimmst allen Mut zusammen, diesmal so vorsichtig wie möglich über Zorn und Sünde zu sprechen, und dann natürlich als Krönung auch über Gottes Gnade und Vergebung. Aber Dein Gegenüber schaut Dich an, als ob Du eine fremde Sprache sprichst.
Oder Du triffst kommende Woche tatsächlich einen Freund, um 1:1 das Johannesevangelium mit ihm zu lesen.
Jetzt bist es nicht einmal mehr Du der das Kreuz erklären muss! Es sind buchstäblich Gottes Worte! Dein Gegenüber scheint es ab einfach nicht zu verstehen. Was ist da los?

2. Das Kreuz ist verborgen (v34)
Wenn jemand das mit dem Kreuz hätte verstehen sollen, dann wären das doch die Jünger gewesen, oder? Aber schauen wir auf v34 – Die Jünger verstanden kein Wort. Sie haben nicht verstanden, was gesagt worden ist. Wenn wir hier bei Lukas zum ersten Mal darauf stoßen würden, müssten wir ziemlich besorgt sein: Jesus wird bis Freitag der Folgewoche tot sein! Das ist es, worüber sie gerade geredet haben. Und soweit wir wissen, gehen ihnen gerade die Unterrichtstage aus. Und das ist kein Einzelfall. Das haben wir heute schon am Ende der ersten Lesung (Lukas 9,37-45) gesehen. Die Jünger sind nicht einfach langsam im Lernen. Es sind die besten 12 Schüler nach Jahren intensiven Unterrichts. Nur noch anderthalb Wochen bis zu ihrer Abschlussprüfung. Und sie verstehen nichts von all diesen Dingen. Null. Wie können diese hoffnungslosen 12 die Menschen sein, die Jesus zurücklassen wird, um uns anderen Gottes Plan zu erklären? Wenn sie im Moment nach drei Jahren mit Jesus immer noch auf Null stehen? Wenn sie den wichtigsten Lehrinhalt nicht verstanden haben. Es ist, als ob sie die Buchstaben beim Augenarzt durchgehen. Und die verständlichen Dinge in Großschrift lauten – 'Jesus ist der Herr!' Sogar 'Jesus ist der Messias!' Beim Herzschlag von Jesu Mission – ein Opfer für die Sünde – ist da einfach nur noch ein winziger Punkt. Sie können ihn einfach nicht sehen. Die Jünger sind nicht langsam, sie sind blind. Wie kann das sein?
In v34 finden wir eine aktive und eine passive Seite. Es ist also etwas, das sie selbst verantworten, und es ist auch etwas, das ihnen angetan wird. „Sie verstanden kein Wort“ – das hatten wir und es ist das, was sie selbst tun. Eine ganze Menge Unverständnis, eine ganze Menge Weigerung zu verstehen. Aber „der Sinn des Gesagten blieb ihnen auch verborgen.“, es wurde ihnen verheimlicht. Ihnen ist da etwas angetan worden. Wir nehmen mit, dass sie wie gesagt nicht nur intellektuell langsam, sondern dass sie blind sind. Aber am Wichtigsten: Sie sind dafür mitverantwortlich. Es ist etwas, das sie sich schon auch selbst antun. Sie erlauben sich nicht, den gekreuzigten Christus zu verstehen. Es stellt ihr bisheriges Verständnis in Frage, das zu stark ausgeprägt ist. Und es ruiniert ihre Hoffnungen auf Ruhm und Macht im Dunstkreis von Jesus. Sie sind mitverantwortlich. Und so liegt auch heute noch eine ganze Menge Verantwortung bei uns Menschen selbst, wenn wir Jesus und sein Kreuz nicht verstehen.
Aber es ist auch etwas, das ihnen angetan wird. Jemand hat dies sehr wirkungsvoll vor ihnen verborgen. v34 betont gleich dreimal, wie sehr sie es nicht verstanden haben. Und der Schlüssel ist eben dieser mittlere Satz: "Der Sinn des Gesagten blieb ihnen verborgen." Verborgen… Weshalb eigentlich? Und durch wen? Blättern wir dazu rückwärts auf Seite 117. Zu Lukas 10:21-22 Und achten wir auf zwei Dinge: 1. Wer "verbirgt" und "offenbart"? und 2. Vor wem ist es verborgen – und wem wird es offenbart? "In derselben Stunde wurde Jesus von der Freude des Heiligen Geistes erfüllt und rief – ACHTUNG – "Vater, du Herr über Himmel und Erde, ich preise dich, dass du das alles den Klugen und Gelehrten verborgen, aber den Unmündigen offenbar gemacht hast. Ja Vater, so hast du es gewollt." Wer verbirgt? Es ist Gott, der Vater. Und vor wem? Vor Klugen und Gelehrten. Und weshalb? Weil Gott das so will. Und wem offenbart er es? Unmündigen. Also kleinen Kindern. Beachten wir im Vers danach, dass es nicht nur der Vater ist, der es Unmündigen offenbart - v22: "Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden. Niemand außer dem Vater kennt den Sohn wirklich, und niemand kennt den Vater außer dem Sohn und – ACHTUNG – denen, welchen der Sohn es offenbaren will." Das Evangelium – der Tod Christi zur Rettung der Sünder – ist verborgen vor den "Klugen und Gelehrten".
Blättern wir jetzt wieder zurück zu Lukas 18 auf Seite 134. Die Jünger werden nicht in der Lage sein, 'zu sehen' – die Bedeutung von Jesu Tod klar zu verstehen – es sei denn, er macht es ihnen verständlich. Und solange sie sich selbst für "klug und gelehrt" halten – werden sie es nie raffen! Sie müssen wie Kinder werden und Jesu Hilfe annehmen. Wir mögen das vielleicht nicht gern hören. Auch wir werden doch lieber als intelligent angesehen, oder? Wir verehren die Albert Einsteins dieser Welt. Aber wenn es um die wichtigsten Dinge geht – das Wichtigste, was es für uns zu verstehen gilt – sind wir ohne Jesus völlig blind. Und das gilt auch für die Menschen um uns her. Die meisten Menschen um uns her, ob Christen oder nicht, denken, dass sie Jesus und seine Lehre wahrscheinlich verstehen könnten, wenn man sie nur ein oder zwei Stunden lang mit Google allein lassen würde. Wenn Jesus sagt, dass ihn zu kennen und seine Lehre zu verstehen, dass das nicht so ist, wie wenn man die Hausaufgaben der Kinder googelt. Es ist mehr als die beängstigende OP, die der Augenarzt mir vorschlägt. Es ist wie eine Transplantation beider Augen. Wir können ohne Jesu Hilfe nicht sehen. Und er hat beschlossen, sich nur denen zu zeigen, die sich ihm wie kleine Kinder nähern, Und Gott hat beschlossen, sich vor allen anderen zu verstecken.
Verstehen wir, warum so viele die Bedeutung des Kreuzes nicht sehen können? Das ist zuerst einmal kein Informationsdefizit. Keiner von uns würde es ohne Gottes Gnade sehen. Vielleicht kann es mancher hier heute auch noch nicht. Falls Du nicht beeindruckt bist vom Kreuz – wenn Dir nicht klar ist, was die ganze Aufregung über das Kreuz eigentlich soll - vertraue nicht Deiner eigenen Bewertung! Lernen wir lieber eine Lektion von einem armen, blinden Bettler:

3. Gott öffnet blinde Augen. In v35-43 hat hat Dr. Lukas lebendig veranschaulicht, was geistlich blinde Menschen von Jesus brauchen. Also was die Jünger - und von Natur aus wir alle – wirklich brauchen. Es ist kein Zufall, dass Lukas die Blindenheilung direkt nach der Blindheit der Jünger erzählt. Quasi als Kontrastprogramm. Jesus nähert sich einer Stadt namens Jericho. Und als er näherkommt, bettelt ein Blinder am Straßenrand. Dieser blinde Mann hat bislang keinen Zugang zu Jesus. Er war nicht in der Lage, Jesus nachzufolgen. Er konnte seine Predigten nicht hören, ihm keine Fragen stellen.Und er konnte nicht über drei Jahre hinweg Jesu Wunder sehen. Er weiß nicht wirklich viel. Und doch sieht er geistlich schon mehr als viele andere. Obwohl er körperlich noch blind ist. Er überholt in wenigen Sekunden alles, was die Jünger nach drei Jahren noch nicht verstanden haben.
Und so mag es Menschen mit uns langjährigen Christen gehen, wenn Sie plötzlich verstehen, worum es bei Gott geht. Sie überholen uns. Ich war echt beschämt, als unser erster afghanischer Flüchtling vor sechs Jahren vor mir stand und wissen wollte, wie man Christ wird. Welchen Hunger er gehabt hat, Gott und die Bibel zu verstehen. Es war ihm auch nicht peinlich, einen muslimischen Freund als Übersetzer für seine Fragen zu bitten. Und sich damit in akute Lebensgefahr zu begeben. Abkehr vom Islam erlaubt in seiner Kultur die Blutrache. Noch heute fühle ich mich blind, wenn ich sehe, wie schnell David damals gelernt hat, Jesus zu sehen und im Glauben zu wachsen.
Der Blinde hört die sensationslüsterne Menge also vorbeitrampeln und fragt, was da los ist. "Jesus von Nazaret geht vorüber." „Nazarener“ ist ein ziemlich gewöhnlicher Titel für Jesus. Dieser Blinde aber hat andere Sinnesorgane gebraucht. Durch eine mitleidige Seele hat er von Jesus gehört und meint, dass er viel mehr ist als nur dieser 'Jesus von Nazareth'. Das ist der Wundertäter! Stellen wir uns mal vor wir wären blind. Und jemand sagt uns, dass ein Mann, der schon blinde Augen geöffnet hat, die Straße vor uns entlanggeht. Was würden wir wohl tun?! v38 – Der Mann beginnt zu schreien. Und nicht hin zum "Nazarener" – sondern an den Retter von Gott – Gottes verheißenen Erlöser-König, damals bekannt als „Sohn Davids“. "Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!" Und die Menge sie tadelt ihn scharf. v39. Es ist peinlich! Gerade für die, die ganz nah bei Jesus sind. "Jesus wird sich nicht mit dir beschäftigen! Halt die Klappe!" Aber er hat nichts zu verlieren lässt sich nicht unterkriegen, dreht die Lautstärke auf! Schreien, bis seine Lungen platzen wollen! Hochrot ist sein Kopf. Er will durchdringen zu Jesus. Schließlich kann er ja nicht einfach aufstehen und sich durch die Menge zu Jesus zwängen. Erstaunlich, wie Jesus auch noch im größten Gedränge den einzelnen sieht und hört. Und das ganz ohne Facebook und Instagramm.
Jesus hält an. Er befiehlt ausgerechnet denen, die ihm gerade im Weg stehen, dass der Mann zu ihm gebracht wird - Nachfolgern, Mitläufern, Jüngern. Jesus weiß, dass der Blinde das nicht allein schaffen kann. Die Szene ist wie mit den kleinen Kinder direkt vor unserem Abschnitt. Kids, die die Jünger auch nicht bei Jesus haben wollten. Sehen wir Jesu Mitgefühl? v41: „Was möchtest Du von mir?“ Natürlich weiß Jesus die Antwort schon. Er will, dass der Mann es sagt. Wir sehen:
Es bringt nichts zu wissen, dass Jesus helfen kann. – wenn wir zu stolz sind ihn um Hilfe zu bitten! Viele sind zu stolz! Und Dr. Lukas hat über sie berichtet: Ein reicher Herrscher. Oder ein stolzer Pharisäer. Sie haben die Gnade nicht wahrgenommen. Aber ein verachteter Zöllner hat gewusst, wie es um ihn steht. Und so auch dieser blinde Bettler: "Herr, dass ich wieder sehen kann." Das ist es, was jeder geistlich blinde Mensch Jesus sagen muss. "Herr, lass mich sehen." Und sofort gehen seine Augen auf. Und er kann Jesus sehen.
Was für ein schönes Bild dafür, was jeder von uns von Jesus braucht. Wenn Du heute Morgen Herrlichkeit Gottes im Evangelium sehen kannst, dann nicht, weil Du es selbst herausgefunden hast. Es liegt nicht daran, dass wir schlauer sind als andere. Wir waren blind, und Gott hat unsere Augen geöffnet. „Ihnen gingen die Augen auf und sie erkannten ihn.“ So wird uns in Lukas 24 beschreiben, was Jesus für die Jünger vom Emmausweg tut – "brannte nicht unser Herz, als er unterwegs mit uns sprach und uns den Sinn der Schrift aufschloss?“ Gott, der das Licht im Universum eingeschaltet hat, hat das Licht in unseren Herzen angeknipst. So beschreibt Paulus das in 2. Korinther 4,6. Rico Tice, anglikanischer Evangelist in London, fasst es so zusammen: „Wir predigen Christus; Gott öffnet blinde Augen.“
Glaube ich, dass meine Freunde blind sind, oder glaube ich, dass sie einfach stärkere Argumente brauchen? Es ist schön zu sehen: Dieser Arbeitskollege, nach unzähligen Gesprächen über das Evangelium und vielen Gebeten für ihn – plötzlich macht es „klick“! Und er sagt: "Wow! Klaus, warum hast du mir das nicht schon viel früher gesagt!?" Und ich denke: "Ich habe es getan! Immer wieder!" Aber letztlich hat Gott ihm die Augen geöffnet!
Oder dieser Freund, mit dem Du 1:1 das Johannesevangelium liest. Wochenlang. – und dann – 'sieht' er klar.
Ihre Augen sind offen. Plötzlich können sie sich selbst im Licht Gottes sehen. Mitsamt der eigene Defizite und Sünde. Und sie sehen im Kreuz Gottes herrliche, verzeihende Gnade. Ein früherer Sklaventreiber hat das im alten Lied „Amazing Grace“ schön auf den Punkt gebracht: „Wie süß ist der Klang dieser unfassbaren Gnade. Gnade, die einen Gottlosen wie mich (einen Sklaventreiber) gerettet hat. Ich war einst verloren, aber nun bin ich gefunden. Ich war blind, aber nun sehe ich“
Gott öffnet unsere Augen. Und wie dieser arme Bettler sehen wir Jesus zum ersten Mal wirklich. Für wen würdest Du Dir von Herzen wünschen, dass Gott geistlich blinde Augen öffnet? Wie wäre es mit Deinem Chef, dem Vorgesetzten bei der Arbeit? Einem Lehrer? Oder Deinem Banknachbarn oder Kollegen? "Herr, gib mir Mut, den gekreuzigten Christus zu bezeugen – und bitte, öffne du dazu die Augen!" "Herr, ich kann die Worte sagen – aber sie brauchen dich, um ihnen beim Sehen zu helfen! Bitte, öffne die Augen!" Was mag wohl geschehen, wenn wir jeden Morgen für 3 Kollegen so beten?vFür Freunde unserer Kinder im Fußballclub, für die Eltern ihrer Tanzpartner, für einen Freund auf dem Schulhof, für jemanden in Deiner Klasse. "Herr, öffne die Augen!" Glaubst du, dass Gott das tun kann?! Dass er die notwendigen Augen-OPs hinbekommt!?
Wenn Gott das tut, dann schauen wir uns noch das Ergebnis an: Der Blinde folgt Jesus – und lobt Gott.
Natürlich tut er das! Er kann sich ja nicht selbst dafür loben – alles, was er mitgebracht hat, war ja seine Blindheit! Wenn ich etwas schönes, herrliches am Evangelium erkenne – muss alle Ehre dafür auch an Gott gehen, oder? Wäre es nicht seltsam, stolz auf mein Verständnis vom Evangelium zu sein – wenn ich weiß, dass ich nur durch Gottes Barmherzigkeit überhaupt etwas sehen kann? Ich war blind! Die Menge können wir nicht loben – alles, was sie taten, war, den Blinden zu Jesus zu bringen! Jesus hat das Übrige getan! Das ist alles, was wir mit unseren Freunden tun müssen: Sie in die Nähe von Jesus bringen. Vielleicht mit ihnen die Bibel lesen. 1:1 oder in einem Hauskreis. Wir können ihre Augen nicht öffnen! Als Prediger hier sind wir uns mit unseren beschränkten Mitteln dessen manchmal schmerzlich bewusst. Wir predigen und bezeugen Christus - Gott öffnet die Augen. Als diese Menge also Gott zusieht, wie er blinde Augen öffnet, was tun sie dann? v43 – sie preisen Gott. Mögen wir Grund haben, Gott zu loben und zu verherrlichen, wenn wir sehen, wie Er die Augen derer öffnet, die wir lieben.

Lasst mich für uns das Gebet des blinden Mannes sprechen: Er schrie umso mehr: "Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Herr, lass mich mein Augenlicht wiedererlangen.“ Wir bitten, Vater im Himmel, dass du uns in jedem Bereich die nötige Demut schenkst. So dass du, der du durch und durch barmherzig, gütig und großzügig bist, uns v.a. deinen Tod und auch die ganze wunderbare Wahrheit von deinem Königreichs verstehen lässt. Und ebenso die Menschen in unserer Nähe. Das bitten wir Dich im Namen Deines Sohnes. Amen.

Klaus Buck